Samstag, 23. Januar 2016

Lenkerumbau

Serienmäßig ist die Africa Twin mit einem einfachen Stahllenker ausgestattet. Dieser ist - abgesehen von seinem relativ hohen Gewicht - leider beim ersten Sturz schnell verbogen und danach unbrauchbar. Die Kröpfung ist nicht gerade ideal und für's Fahren im Stehen ist er zu niedrig. Viele Jahre hatte ich deshalb eine Lenkererhöhung verbaut, um wenigstens einigermaßen entspannt im Gelände stehend fahren zu können. Aber so richtig gepasst hat die Stehposition und die damit einhergehende Körperhaltung trotzdem nicht. Da die Gabel und auch die Lenkerhalterung der Africa Twin nach hinten geneigt ist, wanderte der Lenker durch die Lenkererhöhung auch nach hinten und mein Oberkörper war nun für meinen Geschmack zu weit hinten und die Ellbogen befanden sich zu eng am Körper, wodurch ich mich immer wieder in einer Postion befand, in der ich zu träge reagierte. Beim Fahren im Sitzen ging's mir sehr ähnlich. Manchmal erinnerte mich meine Sitzposition mehr an einen Schaukelstuhl vorm Fernseher als an eine sportlich-agile - aber dennoch bequeme - Haltung am Motorrad.

Meine Anforderungen an einen neuen Lenker


Deshalb beschloss ich, den originalen Lenker durch einen neuen Lenker zu ersetzen. Dieser sollte folgende Kriterien erfüllen:
  • Er sollte aus Alu sein, damit deutlich leichter und stabiler als der Original-Lenker und auch unanfällig für Rost.
  • Er sollte etwas breiter sein für besseres Handling der schweren Maschine im Gelände.
  • Die Höhe sollte ein bequems Fahren im Sitzen über lange Streken sowie eine ebenfalls bequeme Position im Stehen für's Fahren im Gelände ermöglichen.
  • Die Kröpfung sollte mir ermöglichen, die Arme weiter zu "öffnen", die Ellbogen weiter nach außen zu bekommen. Dies wird auch von der größeren Breite unterstützt.

Also machte ich mich auf die Suche durch eine Vielzahl von Katalogen und Webshops nach Lenkern, deren Maße passen könnten. Als sehr schwierig gestaltete sich dabei die Tatsache, dass ich alle Lenker aufgrund ihrer Maße beurteilen musste, ohne diese vorher gesehen zu haben, geschweige denn ausprobieren zu können. Und als Vergleich dienten mir nur jene Maße, die ich selbst - mit dem Maßband (und viel Augenmaß) - vom verbauten Original-Lenker ermitteln konnte. Weiters galt es, die Frage zu beantworten, ob es nun ein Lenker mit 22 mm Durchmesser mit Querstrebe oder 28,6 mm Durchmesser konifiziert ohne Querstrebe sein sollte. Eine Rolle bei den Überlegungen spielte dabei die Tatsache, dass 22mm dem Durchmesser des Original-Lenkers entspricht, wodurch die Lenkerhalterung unverändert belassen werden kann. Der Oversize-Lenker (28,6 mm) hingegen macht auch den Umbau der Lenkerhalterung erforderlich. Und auch die Farbe spielte bei meinen Überlegungen eine Rolle. Ein goldener Lenker - wie er serienmäßig war - sollte es jedenfalls nicht mehr sein. Meine bevorzugte Farbe war schwarz, oder irgendetwas, was die unterschiedlichen Hersteller als Silber bzw Titan bezeichnen.

Die Auswahl des Lenkers


Schließlich entschied ich mich, mir eine engere Auswahl von Lenkern in der Praxis anzusehen, und besorgte mir die folgenden Lenker:
  • Renthal 7/8 Bar (22 mm) in der Ausführung "6,5 "Dakar" in schwarz
  • Magura X-Line (28,6 mm) in der Ausführung AX2 in mattem silber
  • Neken Oversize Color (28,6 mm) in schwarz
  • Zeta SX-3 (28,6 mm) in der Ausführung "Enduro High" in schwarz

Leider erhielt ich vom Vertrieb der Firma dirtfreak auf meine email Bestellung auch nach wiederholter Nachfrage keine Antwort, wann denn der Lenker kommt. Damit schied der Zeta Lenker aus.

Der Magura X-Line ist speziell für Reiseenduros ausgelegt und deshalb sehr hoch und  mit starker Kröpfung. Für meinen Geschmack etwas zu viel, da sich dadurch wieder die Ellbogen zu nah am Körper befinden. Dies ist für lange Fahrten auf der Autobahn sicherlich sehr bequem, Aber für's Fahren im Gelände schränkt es meinen Bewegungsspielraum ein und ist es mir zu wenig agil.

Der Renthal und der Neken haben beide sehr ähnliche Maße. Der Neken ist um ca. 2 cm breiter als der original verbaute Lenker, der Renthal ca. 3 cm (815 bzw. 830 mm im Vergleich zu 797 mm). In Höhe und Kröpfung unterscheiden sich die beiden nur um 1-2 mm. Beide Lenker sind ungefähr 130 mm hoch (ca. 150 mm beim Standardlenker, plus 25 mm Lenkererhöhung) und haben eine Kröpfung von ungefähr 75 mm (ca. 150 mm beim Original).

Nun war da auch noch die Frage nach der Lenkerhalterung. Sollte die originale bleiben? Mit Erhöhung bzw Adapter von 22 mm auf 28,6 mm? Oder sollte sie ebenfalls ersetzt werden?

Letztendlich entschied ich mich für den Neken Oversize Color schwarz in Kombination mit der ZAP T-Bone Lenkerhalterung 55mm hoch in silber beides erhältlich bei Maciag Offroad. Die hohe Lenkerhalterung ersparte mir eine Lenkererhöhung und die T-Bone Ausführung schützt bei einem Sturz zusätzlich gegen verdrehen des Lenkers. Und optisch macht sie auch einiges her ;-)

Der Umbau


Ich machte mich also daran, alle Anbauteile vom alten Lenker abzubauen, Ich entfernte der Reihe nach die Handprotektoren, den Gasgriff, alle Schalter und die Spiegel. Kupplungs- und Chokehebel löste ich, ließ sie aber an den Seilzügen über die Verkleidung hängen. Dadurch sparte ich mir die neuerliche Einstellung nach Montage am neuen Lenker. Den Bremszylinder samt Ausgleichsbehälter löste ich vorerst nur, ließ beide aber noch locker am Lenker montiert. Danach löste ich die Klemmung am Lenkerhalter, nahm den Lenker samt Bremsarmatur ab und legte diesen vorsichtig auf dem Luftfilterdeckel ab, sorgsam darauf bedacht, den Ausgleichsbehälter mit der Bremsflüssigkeit aufrecht zu halten, um Eindringen von Luft in die Bremsleitungen zu verhindern und die Bremsleitungen nicht entlüften zu müssen. Nun konnte ich die Schrauben der Lenkerhalterung an der Unterseite der Gabelbrücke lösen und die Halterungen entfernen.

Die originalen Lenkeraufnahmebuchsen konnte ich weiter verwenden. Allerdings waren die mitgelieferten Schrauben zur Befestigung der T-Bone Lenkerhalterung an der Gabelbrücke viel zu kurz. Ich ersetzte also die 30 mm Stahl-Schrauben durch 80 mm Edelstahl-Schrauben und schon passte alles einwandfrei. Der Neken Lenker hat beiderseits Markierungen für die Ausrichtung. Dadurch konnte ich diesen sehr einfach gerade und mittig anbringen und die Halterung provisorisch fixieren. Dann probierte ich die neue Sitz- und Stehposition schon mal aus und es zeigte sich, dass diese noch nicht ganz passten. Ich lockerte also nochmals die Schrauben und veränderte drehte den Lenker in der Halterung. Diesen Vorgang wiederholte ich so lange, bis die Position passte. Danach zog ich zuerst die Schrauben der T-Bone Halterung fest und erst danach die Schrauben der Halterung an der Gabelbrücke, um ein Verkanten der Halterung am Lenker zu vermeiden. Mit einem Drehmomentschlüssel stellte ich sicher, dass die Schrauben fest genug waren, aber auch nicht zu fest da sie sonst das Gewinde der Alu Lenkerhalterung beschädigen könnten.

Die Schaltereinheiten an beiden Seiten des Lenkers haben an der Innenseite einen kleinen Kunststoff Zapfen, der in eine Bohrung am serienmäßigen Lenker ragt. Da bei meiner Africa Twin die Zapfen an beiden Seiten bereits abgebrochen waren, stellte sich für mich die Frage, ob ich den Lenker anbohren solle oder doch die Zapfen entfernen also nicht und ich konnte die Schaltereinheiten, die Spiegelaufnahmen sowie die Kupplungs- und Bremsarmaturen anschrauben, vorerst aber nur sehr locker. Danach montierte ich die Griffe. Da sich nun die genaue Position jedes Anbauteils ergab, konnte ich - von außen beginnend - alles am Lenker festschrauben. Dazwischen prüfte ich immer wieder, ob alles sowohl im Stehen als auch im Sitzen gut erreichbar ist, und auch bei vollem Einschlag nach beiden Seiten weder etwas im Weg war, noch ein Kabel oder Seilzug auf Spannung montiert war.

Abschließend folgte die erste Probefahrt und ich war von meiner Entscheidung vollauf begeistert!


So sah meine Adventure Twin mit dem originalen Lenker vor dem Umbau aus.


Hier ist er originale Lenker bereits abgebaut. Die Bremsarmatur ist noch lose befestigt und so ausgerichtet,
dass weder Bremsflüssigkeit ausrinnen, noch Luft in die Bremsleitungen eindringen kann.


Die Markierungen sind deutlich sichtbar und erleichtern das Ausrichten des Lenkers enorm.


Mit einem Drehmomentschlüssel lassen sich die Schrauben der Lenkerhalterung so festziehen, dass der Lenker optimal fest sitzt,
ohne das Material der Gewinde zu beschädigen und damit die Festigkeit zu beeinträchtigen.


Und so sieht meine Adventure Twin mit dem neuen Lenker aus. Deutlich erkennbar ist auch die Verstrebung der T-Bone Lenkerhalterung, die dem Lenker zusätzlichen Schutz vor Verdrehen bietet. Fehlt nur noch der mitgelieferte Lenkerpolster und los geht's zur ersten Probefahrt.


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